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Die Regioretter ...da sind wir im Radio!

Ist man zuerst Kölner und dann erst Deutscher?
Ist man zuerst Bayer und dann erst Deutscher?
Ist man erst Tübinger, Freiburger, Karlsruher, Friedrichshafener und dann erst Baden-Württemberger?

Es gibt keinen Zweifel: Die Regionen und die Gegend aus der man(n)/frau herkommen, spielen in einer globalen und digitalen Welt eine immer entscheidendere Rolle. Nicht zuletzt der sehr aktuelle Unabhängigkeitsdrang Schottlands (spätestens 2014 wollen sie die entscheidende Frage stellen), Kataloniens, Südtirols, des Baskenlands oder auch der dänischen Färöer-Inseln und Grönlands belegen das „wahre Heimatgefühl“.

Vor diesem europäischen Hintergrund, der sich nach meinen täglichen Beobachtungen im Europarat in Strasbourg handfest belegen lässt, werden die Entscheidungen deutscher ARD-Manager immer fragwürdiger - gerade dort, wo Leute sich zuhause fühlen, das Programm "für sie" einzukürzen.

"Vor Ort mit denen vom Ort" hat mich einst im SDR Studio Karlsruhe ein Redakteurskollege gelehrt. Wie Recht er hatte. Selbst junge Leute suchen heute wieder ihre Heimat, wenn sie z.B. lange im Ausland studiert und gelernt haben.

Damit nicht genug - ich behaupte: Das nationale Länder-, Kreis- und Landesgrenzendenken der ARD ist gerade im Radio seit langem überholt. Europäisch interessierte Jugendliche wie Ältere, z.B. am Oberrhein, wollen die SWR-Infos am und vom Oberrhein haben und nicht irgendwo auf die „Freundlichkeit“ einer Landeswelle angewiesen sein müssen, um sich dort mal ganz selten wiederzufinden. Wetten, dass es so sein wird?  Die gleiche Altersklientel will am Bodensee nicht nur Deutsches, sondern Österreichisches und Schweizerisches, weil nun mal Kreuzlingen vor der Haustür von Konstanz liegt und die Züricher Einflugschneise die Region, egal welcher Nationalität, interessiert.

Genau an dieser Stelle jetzt harsche ARD-zentralistisch-hauptstädtisch-denkende Einsparmaßnahmen in den Regionalprogrammen deutscher ARD-Anstalten durchzusetzen, man hat den Eindruck "auf Teufel komm raus", ist - deutlich gesagt - ein Desaster!

Europäische Regionen kann man nicht aus Brüssel oder Strasbourg regieren, Regionales kann man nicht aus Stuttgart oder Köln oder Hamburg  oder gar Frankfurt regieren und redaktionell verantworten. Die Erfahrung zeigt, dass das "regionale Wissen" in den Zentralen nicht gerade weit verbreitet ist. Sie können in den seltensten Fällen journalistisch die jeweiligen Regionalnews richtig einschätzen. Woher soll das Wissen auch Kommen???!! Seid ehrlich, liebe KollegInnen!

Um ein grundsätzliches Umdenken zum Thema "Regionalradio" in Deutschland zu fördern und zu fordern, habe ich diese neue Website initiiert, die auch gerade und ganz besonders "unsere Kunden", die HörerInnen ansprechen soll.

Wenn z.B. Aldi oder Edeka in möglichst vielen Regionen als regionale Anbieter vertreten sein wollen, dürfen die Radioanstalten ihre Regionalität unter keinen Umständen vergessen. Auch nicht ihre Verantwortung dafür! Ich möchte alle Radiochefs und IntendantInnen, zusammen mit allen gelernten und aktuellen RegionalkollegInnen, auffordern, nicht immer wieder „wirtschaftlich“, sondern endlich mal "bahnbrechend" kreativ zu denken.

Das Regionalradio der Zukunft ist das Radio mit Format und nicht die austauschbaren Formatradios, die man in jedem (ARD-)Bundesland findet!

Damit wir endlich wieder über das Regionalradio reden, auch in ARD-Pressekonferenzen, stelle ich mich für diese Website zur Verfügung.

Liebe Radiomacher, liebe Hörerinnen und Hörer... die Diskussion ist eröffnet!

Udo Seiwert Fauti

ist freischaffender Radiomacher mit Vergangenheit beim SDR in Karlsruhe. Später war er Redakteur beim HR und der BBC. Er ist Mitbegründer der Initiative fair radio und Dozent an der SRH Hochschule in Calw. Udo Seiwert-Fauti ist deutscher Botschafter für Medienethik des Zentrums für Internationale Medienethik (CIME).

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